Schön, dass du da bist. Setz dich einen Moment neben mich, ich erzähle dir, wie das mit dem Kennzeichnen wirklich ist. Denn kaum eine Frage taucht in meiner Community so oft auf wie diese: „Muss ich jetzt überall dranschreiben, dass ich mit künstlicher Intelligenz arbeite?” Und meistens schwingt dabei ein bisschen Angst mit, man könnte aus Versehen etwas falsch machen.
Ich nehme dir diese Angst gern, so gut ich kann. Ein Satz vorweg, den ich ernst meine: Das hier ist meine Einordnung als jemand, der Unternehmen berät, keine Rechtsberatung. Für verbindliche Fragen gehörst du zu einer Anwältin. Aber die grosse Linie kann ich dir in normalem Deutsch zeigen, und die ist ruhiger, als du vielleicht befürchtest.
Kennzeichnen ist keine Strafe. Es ist die einfachste Art, ehrlich zu bleiben, und ehrlich sein hat dir noch nie geschadet. Olga Reyes-Busch
Muss ich künstliche Intelligenz überhaupt kennzeichnen?
Fangen wir mit der Frage an, die dich hergebracht hat. Die kurze Antwort: manchmal ja, aber nicht überall gleich. Der EU AI Act regelt die Kennzeichnung in Artikel 50, und dieser Artikel hat einen roten Faden. Es geht darum, dass Menschen nicht getäuscht werden. Überall dort, wo jemand sonst denken könnte, ein Mensch habe geschrieben, gemalt oder geantwortet, obwohl es künstliche Intelligenz war, will das Gesetz Klarheit.
Das ist eigentlich ein sympathischer Gedanke. Nicht die Technik ist das Problem, sondern die Täuschung. Wenn klar ist, dass hier eine Maschine mitgearbeitet hat, ist alles gut. Merk dir diesen einen Satz, dann hast du die Logik hinter fast allem, was jetzt kommt.
Wie der EU AI Act insgesamt aufgebaut ist und ob du als Solo-Selbstständige überhaupt gemeint bist, habe ich dir ausführlich im Beitrag EU AI Act für Selbstständige aufgeschrieben. Dort erkläre ich auch den Unterschied zwischen Anbieter und Betreiber, der viel Sorge auflöst. Hier bleiben wir beim Kennzeichnen.
Wann du Bilder und Videos kennzeichnen solltest
Der deutlichste Fall sind Bilder und Videos. Wenn du ein Motiv rein künstlich erzeugst, etwa ein Produktfoto, das es so nie gab, oder ein Porträt eines Menschen, den es nicht gibt, dann soll das erkennbar sein. Das Gesetz spricht von synthetischen Inhalten. Gemeint ist alles, was echt aussieht, aber am Rechner entstanden ist.
Für dich im Alltag heisst das nichts Kompliziertes. Ein sichtbarer Hinweis genügt. Ein kurzer Zusatz in der Bildunterschrift, ein Wort im Beitrag, ein kleiner Vermerk auf der Grafik: erstellt mit künstlicher Intelligenz. Kein Kleingedrucktes, das niemand findet, sondern etwas, das ein normaler Mensch sieht, wenn er hinschaut.
Wichtig ist das vor allem, wenn ein Bild als echt durchgehen könnte. Ein offensichtlich verspieltes Illustrations-Motiv, bei dem sofort klar ist, dass es gemalt ist, liegt anders als ein täuschend echtes Foto. Im Zweifel kennzeichne lieber einmal mehr. Es kostet dich einen halben Satz und schützt dein Vertrauen.
Und wenn ein Chatbot auf meiner Seite antwortet?
Der zweite klare Fall sind Chatbots. Wenn auf deiner Website oder in deinem Messenger eine künstliche Intelligenz mit Menschen schreibt, sollen die wissen, dass sie mit einer Maschine reden und nicht mit dir persönlich. Das ist die zweite grosse Stelle in Artikel 50, an der die Transparenzpflicht dich als Einzelkämpferin wirklich erreichen kann.
Auch das ist gut lösbar. Ein Satz zu Beginn der Unterhaltung reicht: hier antwortet ein automatischer Assistent. Niemand verlangt eine juristische Belehrung. Es geht darum, dass dein Gegenüber nicht in dem Glauben schreibt, du sässest gerade selbst am anderen Ende, wenn in Wahrheit ein Bot arbeitet.
Solange du künstliche Intelligenz nur im Hintergrund für deine eigene Arbeit nutzt, also um Texte zu entwerfen oder Ideen zu sortieren, betrifft dich dieser Punkt nicht. Erst wenn der Bot direkt mit deinem Publikum spricht, wird er relevant.
Muss ich jeden Text kennzeichnen, den KI mitgeschrieben hat?
Jetzt zu der Frage, die die meisten am meisten umtreibt, weil fast alle mit Texten arbeiten. Hier kann ich dich beruhigen. Für Texte, die du selbst prüfst, überarbeitest und mit deinem Namen unter dem Beitrag verantwortest, ist die Lage entspannter als bei Bildern oder Chatbots. Du bist die Autorin, das Werkzeug hat dir beim Formulieren geholfen. Das ist etwas anderes als ein Bild, das eine Realität vortäuscht.
Trotzdem mein Rat, ganz unabhängig vom Gesetz: Sei offen damit. Menschen verzeihen dir gern, dass eine Maschine dir beim Schreiben zur Hand ging. Was sie dir übelnehmen, ist das Gefühl, getäuscht worden zu sein. Wie du künstliche Intelligenz nutzt, um schneller zu schreiben und dabei trotzdem nach dir zu klingen, zeige ich dir im Beitrag Content erstellen mit künstlicher Intelligenz und Zeit sparen. Deine Stimme bleibt deine, die Maschine nimmt dir nur die Fleissarbeit ab.
Ein Wort zu den Fristen und genauen Terminen: Da halte ich mich bewusst zurück. Der Zeitplan wird in Stufen eingeführt und an mehreren Stellen noch nachjustiert. Wenn du ein festes Datum brauchst, schau in die Originalquelle unten, statt dich auf eine Zahl aus einem Blogartikel zu verlassen. Auch nicht auf meine.
Wie du das im Alltag ganz praktisch machst
Damit du nicht mit einer Theorie allein bleibst, hier meine schlichte Faustregel. Frag dich bei jedem Inhalt: Könnte jemand denken, das sei ohne Maschine entstanden, obwohl es das nicht ist? Wenn ja, setz einen sichtbaren Hinweis dazu. Wenn nein, weil du den Text ohnehin selbst verantwortest, ist die Sache lockerer.
Leg dir am besten ein paar feste Bausteine zurecht. Einen kurzen Vermerk für künstlich erzeugte Bilder. Einen Begrüssungssatz für deinen Chatbot, falls du einen einsetzt. Eine ehrliche Zeile in deinem Impressum oder auf einer Über-mich-Seite, dass du mit künstlicher Intelligenz arbeitest. Einmal überlegt, immer wieder benutzt. So machst du aus einer Pflicht eine Gewohnheit, über die du nicht mehr nachdenken musst.
Wie du künstliche Intelligenz überhaupt seriös und mit Verstand in dein Business holst, ohne dich von Regeln lähmen zu lassen, habe ich im Beitrag künstliche Intelligenz im Business seriös beschrieben. Kennzeichnen ist am Ende nur ein kleiner Teil davon, sauber zu arbeiten.
Was ich dir mitgeben möchte
Kennzeichnen klingt nach Bürokratie, ist aber im Kern nur Ehrlichkeit in einem Satz. Mach sichtbar, wo künstliche Intelligenz ein Bild erzeugt oder als Chatbot antwortet. Geh offen damit um, wo sie dir beim Schreiben geholfen hat. Und lass dir von niemandem einreden, du müsstest dafür ein Studium absolvieren. Das schaffst du ohne grossen Aufwand, und danach ist es einfach Teil deiner Arbeit.
So gehst du vor
- Schau bei jedem Bild und Video: Könnte es als echt durchgehen, obwohl es künstlich erzeugt wurde?
- Setz bei künstlich erzeugten Bildern einen sichtbaren Hinweis dazu, ein Wort reicht schon.
- Begrüß Besucherinnen deines Chatbots mit einem Satz, der klarmacht, dass hier eine Maschine antwortet.
- Schreib eine ehrliche Zeile in dein Impressum oder deine Über-mich-Seite, dass du mit künstlicher Intelligenz arbeitest.
- Leg dir diese Bausteine einmal fest zurecht, dann nutzt du sie immer wieder, ohne neu nachzudenken.
Wenn du solche Fragen nicht allein mit dir ausmachen willst, sondern mit Menschen, die genau wie du an allem gleichzeitig sitzen: In meiner Skool-Community sprechen wir über den ehrlichen Einsatz von künstlicher Intelligenz, über Werkzeuge und über den Umgang mit Regeln wie dieser. Ohne Angstmache, in normalem Deutsch. Komm gern dazu, wenn dir das guttut.
Tausch dich mit anderen aus, die Claude für ihr Business nutzen.
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